Auf ein Wort

Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen – 2. Korinther 5,7

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 Miteinander April 2018

Miteinander Mai 2018

Gedankenanstoß für Mai 2018

Ein Wort vorweg

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebräer 11,1

 

Es war vor Jahren im Süden der Sinai-Halbinsel. Zwei Stunden nach Mitternacht waren wir vom Katharinenkloster aus zu dem Gebirgswanderweg auf den Moseberg (GabalMūsā) aufgebrochen. 700 Höhenmeter bis auf 2285m galt es dabei zu überwinden und eine letzte steile Kletterpartie.

In der ersten Stunde war der Mond unsere Leuchte, aber dann zogen die Wolken immer mehr zu und mancher von uns war versucht, die verbotene Taschenlampe zu benutzen. Länger als eine Stunde im Dunkeln auf dem schmalen und mit Felsbrocken übersäten Weg zwischen den Felsen? Es war klar, dass die Schattenwirkung von sich bewegenden Lichtkegeln leicht zu Unfällen der Mit-Wanderer führen kann. Und so richteten wir uns darauf ein, auf den Trittschall der anderen und deren ”Ah” und ”Oh” zu achten. Natürlich haben sich unsere Augen auch bald an die Dunkelheit gewöhnt und die Unterscheidung der Graustufen in ”begehbar” und ”Stolperstein” nachvollziehen können. – Schließlich graute der Morgen und wir hingen noch im Fels! Zwanzig Minuten zügige Kletterei bis zum Gipfel waren uns ab hier angesagt. Schaffen wir diese letzte Herausforderung? Immerhin wollten wir doch den Sonnenaufgang über dem Gebirgsmassiv des Sinai erleben und damit einen Höhepunkt ”Auf den Spuren Gottes” und unserer Reise! – Doch plötzlich machte meine Frau schlapp und wollte aufgeben.

Die anderen stiegen an uns vorbei während wir eine Pause einlegten. Wasser und trockenes Brot waren jetzt unsere Energieträger und der Gebetsseufzer zu dem Herrn, der sich doch gerade hier mit dem ”Dekalog für das Leben” seinem auserwählten Volk verbunden hat. Sollte ich nun meine erschöpfte Frau auf halber Kletterstrecke zurück lassen? Nein! Und so habe ich sie dann nach einigen Minuten gepackt, geschoben und gezogen, gedrückt und mit Hilfe von Mit-Wanderern den Berg hinauf geleitet. – Gerade als wir das Plateau erreichten, begann der Zauber des Sonnenaufgangs mit den ersten Strahlen über den tiefer liegenden Bergspitzen. Unser arabischer Führer, ein Beduine, stand dann vor uns in seiner weißen ‘Jellabiya’, umflutet von goldenem Strahlenglanz.

Und spontan kam das Lied ins Gedächtnis: ”Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte …”. – Vergessen waren die Strapazen der Wanderung und die Ängste unterwegs: ”Schaffen wir das überhaupt?”. Mit Gottes Hilfe haben wir durchgehalten, das Ziel klar vor Augen, in vollem Vertrauen auf die ’nachtwandlerische’ Ortskenntnis des Beduinen und die beglückende und beflügelnde Erfahrung gemeinsamen Unterwegsseins und gegenseitiger Hilfe.

Ihr / Euer

Gotthold Schmidt