Auf ein Wort

Hier können Sie das neueste Miteinander herunterladen

Miteinander Oktober/November 2019

 

Gedankenanstoß für Oktober/November 2019

Ein Wort vorweg

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben!                    Tobias 4,8

Manche werden den aktuellen Monatsspruch in ihrer Bibelausgabe vergeblich suchen, denn er entstammt dem Buch Tobit. Dieses gehört zu den späten Schriften des Alten Testaments, die Luther bei seiner Übersetzung der hebräischen Bibel außen vorließ, weil sie ihm nur in griechischer Sprache vorlagen. In katholischen Bibelausgaben hingegen ist dieses Buch gemeinsam mit den anderen Spätschriften fester Bestandteil des Alten Testaments. Die vorliegende Ermahnung zum Almosengeben gehört zu einer längeren Unterweisung, mit der der erblindete Tobit seinen Sohn Tobias für eine weite Reise verabschiedet. Er gibt seinem Sohn als Vermächtnis die wesentlichen Regeln für ein Leben nach Gottes Willen mit auf den Weg, denn er selbst bereitet sich auf den Tod vor.
Tobit, der selber viele Taten der Barmherzigkeit getan hat, ermahnt Tobias dazu, den Bedürftigen stets etwas vom eigenen Hab und Gut abzugeben, unabhängig davon, ob ihm viel oder wenig Vermögen zur Verfügung steht. Entscheidend ist für ihn offenbar nicht, wie groß eine Gabe ist. Entscheidend ist, dass die Armen Unterstützung bekommen. Und davon sind auch die nicht ausgenommen, die selbst wenig haben.
Wenn heute einige Multimilliardäre regelmäßig Milliarden für wohltätige Zwecke spenden, dann ist das nicht bedeutsamer als das sprichwörtlich gewordene „Scherflein“ der armen Witwe, als sie ihre letzten Münzen weggibt, auf die Jesus in Markus 12,41-44 seine Jünger aufmerksam macht. Gott sieht alle gnädig an, die bereit sind, zu teilen. Er schaut nicht darauf, ob eine Gabe groß oder klein ausfällt, sondern darauf, ob sie den Möglichkeiten derer entspricht, die etwas abgeben.
Diese Einsicht mündet in keinen Appell an die Verantwortlichen in unse-rer Gesellschaft, sondern meint jeden von uns. Viele gläubige Christen haben diese Einsicht in praktische Gewohnheit umgesetzt; manche geben zehn Prozent ihres Einkommens; nicht als „gute Tat“, sondern als Antwort auf die große Liebe und Treue Gottes; denn „einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“. Der Monatsspruch will uns daran erinnern.

Es grüßt Sie und Euch

Werner Wilker

zur Startseite